MICROMEGAS

Von Pompeji zu Dubai

Der Vortrag bietet einen faszinierenden Einblick in das fotografische Werk von Hans Georg Esch, einem der bedeutendsten Architekturfotografen unserer Zeit. Im Mittelpunkt steht seine Ausstellung „Micromegas: Von Pompeji zu Dubai“, die urbane Räume in ihrer historischen Tiefe und gegenwärtigen Dynamik beleuchtet.
Ausgehend von den Ruinen Pompejis bis hin zu den futuristischen Skylines von Megastädten wie Dubai oder Shanghai spannt Esch einen visuellen Bogen über die Entwicklung urbaner Architektur. Dabei nimmt er die Stadt nicht als bloßen historischen oder touristischen Ort wahr, sondern als lebendigen, gegenwärtigen Raum. Besonders in seinen Pompeji-Fotografien zeigt sich dieser Ansatz: Esch dokumentiert nicht nostalgisch, sondern mit architektonisch geschultem Blick – er macht Strukturen, Raster und räumliche Ordnungen sichtbar, die bis heute wirken.

Die Referenz auf Voltaires Erzählung Micromégas spiegelt Eschs zentrales Thema wider: die Vielfalt der Perspektiven. In seinen großformatigen, oft aus der Vogelperspektive aufgenommenen Fotografien entstehen Spannungsfelder zwischen Nähe und Distanz, zwischen Mikro- und Makrokosmos. Seine Arbeiten veranschaulichen die Wechselwirkung von Mensch, Architektur und Zeit und regen zur Reflexion über Fortschritt, Vergänglichkeit und Wahrnehmung an.
Besondere Beachtung finden dabei Eschs Serien über die urbane Transformation chinesischer Städte. In „Cities Unknown“ dokumentiert er mit ästhetischer Strenge den rasanten Wandel urbaner Landschaften. Seine Bilder zeigen die Abstraktion und Künstlichkeit moderner Architektur – oft menschenleer, streng komponiert und technisch perfekt. Doch gerade durch diese Kühle eröffnen sie Raum für kritische Auseinandersetzung mit Urbanisierung, Machtverhältnissen und kollektiver Erinnerung.

Der Vortrag lädt dazu ein, Eschs Werk als mehr als reine Architekturfotografie zu verstehen: Es ist ein Reflexionsraum über das Sehen, das Erinnern – und darüber, wie sich Städte im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart formieren.

Hans-Georg Esch, geboren 1964 in Neuwied, absolvierte eine klassische Fotoausbildung. Seit 1989 arbeitet er als freischaffender Architekturfotograf für nationale und internationale Architekturbüros und zählt heute zu den renommiertesten Vertretern seines Fachs. Neben Auftragsarbeiten ist dabei ein eigenständiges Oeuvre freier künstlerischer Arbeit getreten, in dem Esch den Blickwinkel auf die gesamte Stadt öffnet. Bekannt wurden die vielfach international ausgestellten und in mehreren Buchpublikationen veröffentlichten Serien wie »Megacities«, »City and Structure« oder »Cities Unknown«, die sich mit heutigen Boomcities westlicher wie insbesondere auch asiatischer Prägung beschäftigen. Esch lebt und arbeitet in Hennef/Stadt Blankenberg.

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